[SL] Yak Shaving - wenn sich kleine Verzögerungen summieren

Yaks (“tibetische Grunzochsen”) sind ziemlich haarig: “Grobe Wollhaare mit einer Länge von fünf bis dreizehn Zentimetern sind über den ganzen Körper verteilt.” (Wikipedia). Einen Yak zu rasieren ist also eine aufwändige Angelegenheit.

Man spricht von Yak Shaving, wenn mal wieder eine Reihe von lästigen und unvorhergesehenen Dingen zu erledigen ist, bevor man mit der eigentlichen Aufgabe vorankommen kann. Beispiel:


Ich will meinen Bugfix testen für die Gutscheinfunktion. Das geht leider nur auf der Testinstanz. Irgendwer hat das Demo-Login geändert, Mist. Ich telefoniere herum, bis ich endlich das neue Passwort habe. Jetzt sehe ich, dass die Testdaten aus dem Produktivbetrieb nicht geladen sind. Ah, da ist ja ein README, wo steht, wie man das lädt. Dann mach ich es eben alleine.

Nach einer Viertelstunde bleibe ich stecken, kann die Produktivdaten nicht laden, anscheinend ist das README nicht mehr ganz aktuell? Dann frage ich halt Arne: “Kannst Du mir mal schnell die Produktivdaten von letzter Woche in die Testinstanz laden?”. Arne macht’s, zum Glück. Der Import dauert 30 Minuten…

Als ich endlich zum Warenkorb vorgedrungen bin, laufe ich in ein anderes Problem. Ich komme gar nicht bis zu dem Schritt, in dem ich den Gutscheincode eingeben kann, in Schritt 2 gibt’s eine Fehlermeldung. Ah, das wurde gerade heute früh behoben, leider ist diese Änderung noch nicht bis zur Testinstanz vorgedrungen. Dann mache ich eben noch ein kleines Update…

Nach mehr als zwei Stunden komme ich endlich zur Gutscheinseite, und sehe, dass mein Bugfix funktioniert.


Es gibt auch ganze Tage, die nur aus Yak Shaving zu bestehen scheinen. (Der Song Yak Shaving Day mag dann als Hintergrundmusik helfen.)

Man muss es natürlich zunächst bemerken, dass man gerade dabei ist, einen Yak zu rasieren. Die normale Betriebsblindheit und Hast verhindern das oft. Dann heißt es: Durchatmen und in den Verbesserungsmodus schalten. Warum ist das jetzt so umständlich? Warum liegen die Dinge nicht bereit, so dass ich in einem Zug an meiner eigentlichen Aufgabe arbeiten kann? Dann eine (vielleicht kleine) Verbesserung vornehmen, die ähnliche Situationen in Zukunft vermeiden hilft. Das hat auch einen psychologischen Effekt: statt den Umständen ausgeliefert zu sein, kann ich aktiv etwas ändern.

Jeder einzelne Stolperstein im Beispiel oben kann Ansatzpunkt für eine Verbesserung sein:

Das braucht eine Umstellung in der Sichtweise: Eigentlich wollte ich gerade etwas ganz anderes, damit bin ich sowieso schon spät dran. Und jetzt soll ich noch eine Stunde (oder mehr) zusätzlich aufwenden, um etwas zu verbesern, das vordergründig nichts mit meiner eigentlichen Aufgabe zu tun hat?

Ja. Denn mittel- und langfristig sind diese Verbesserungen Investitionen, die sich bezahlt machen.

Matthias Berth

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